Der Grundstein (1963 – 1970)

Das Theater Winkelwiese wurde im Jahr 1964 von der Regisseurin und Schauspielerin Maria von Ostfelden (1896–1971) im Keller der Jugendstil Villa Tobler gegründet. Wegbereiter war der renommierte Architekt und Kunstmäzen Jakob Zweifel (1921–2010), der sich über mehrere Jahrzehnte hinweg massgeblich für die Finanzierung des Theaterbetriebs verantwortlich zeigte sowie das Haus programmatisch begleitete.

Von Anbeginn an gab die Theaterleiterin Maria von Ostfelden dem Haus mit Erstaufführungen von Pinter-, Beckett- und Ionesco-Stücken ein klares Profil als Autor:innentheater.

Zu einer Zeit, als Gegenwartsdramatik auf den grossen Bühnen der Schweiz noch wenig, bis keine Beachtung fand, erwies sich diese mutige Setzung als Erfolg: Binnen kürzester Zeit erarbeitete sich das Theater einen bis ins Ausland ragenden Aufmerksamkeitsradius und setze den Grundstein für eine Tradition, welcher die Bühne bis heute treu geblieben ist.

Fehlende Förderstrukturen (1970 – 1997)

Auf diesem klaren Bekenntnis zur Gegenwartsdramatik baut das Theater Winkelwiese als ein dezidiertes Autor:innentheater in den folgenden Jahren konsequent auf: Bis in die 1990er Jahre kamen hauptsächlich Stücke von Dramatiker:innen zur Aufführung, die sich im Ausland bereits etabliert hatten. In einem Interview aus dem Jahr 1967 danach befragt, «warum sie [als Grundlage für ihre Arbeiten] noch nie einem avantgardistischen Schweizer Autor die Chance gegeben» habe, war Maria von Ostfeldens Antwort: «Weil ich ehrlicherweise keinen gefunden habe». (Femina, 19. Mai 1967)

Ein Zustand, der in der Branche in den folgenden Jahrzehnten viel diskutiert werden sollte und welcher sich – unter anderem auch aufgrund damals noch fehlender Förderstrukturen – noch über mehrere Jahrzehnte hin kaum verändern sollte: Rund 30 Jahre später zeigten beispielsweise «in der Spielhälfte 1995/96 das Luzerner Theater, Schauspielhaus Zürich und Theater Basel zusammen etwa ein Dutzend Zeitgenössische-Stücke-Importe aus den USA, Grossbritannien und Frankreich.» (Luzerner Zeitung 2016)

Gründung des «DRAMENPROZESSOR» (1997 – 2002)

Im Jahr 2000 initiierte Peter-Jakob Kelting (Dramaturg und von 1997 – 2002 Leiter des Theater Winkelwiese) angegliedert ans Haus ein einjähriges Stipendiat:innen-Programm zur Förderung von jungen Dramatiker:innen. Die eng an den Theaterbetrieb angelehnte und von Praktiker:innen wie Autor:innen begleitete Ausbildung erwies sich in den nunmehr zwanzig Jahren ihres Bestehens als äusserst effizienter «Prozessor» für zeitgenössische Dramatiker:innen, die am Beginn ihrer Laufbahn stehen: Mittlerweile haben insgesamt 59 Autor:innen die Ausbildung für Szenisches Schreiben absolviert und etliche der im «DRAMENPROZESSOR» entstandenen Stücke wurden uraufgeführt, nachgespielt, übersetzt und sind an renommierten Festivals gezeigt und prämiert worden, wie u.a. am Heidelberger Stückemarkt, den Autor:innentheatertagen Berlin und den Mülheimer Theatertagen.

Im Mai 2015 wurde der «DRAMENPROZESSOR» mit dem Theaterpreis des Bundesamtes für Kultur ausgezeichnet.

Der Weg zum Kompetenzzentrum für Gegenwartsdramatik (2003 – 2022)

Im Jahr 2003 übernahm der Regisseur Stephan Roppel das Haus und trug in den darauffolgenden zwölf Jahren bedeutend zur Vertiefung und Konsolidierung des Theaters als Kompetenzzentrum für zeitgenössisches Autor:innentheater bei. Für sein Engagement wurde er 2010 mit dem Anerkennungspreis der Stadt Zürich geehrt. 

Von 2015 bis 2022 verantwortete der Regisseur und Schauspieler Manuel Bürgin das Theater Winkelwiese, welcher massgeblich dazu beitrug das Haus vermehrt mit freien und städtischen Bühnen in der Schweiz zu vernetzen. Er weitete die Zusammenarbeit mit lokalen und nationalen Theatergruppen der freien Szene aus, wodurch das Theater auch zunehmend zu einem beliebten Koproduzenten und Gastspielort wurde.

Seit 2022 leitet die Regisseurin und Kulturmanagerin Hannah Steffen das Theater Winkelwiese.