Pindar- und Aischylosfragmente

von Michel Kessler

Wie Hölderlin und Saint-John Perse hat Michel Kessler als Teenager Oden und Fragmente von Pindar übersetzt, eine Praxis, die sich als Prüfstein seiner eigenen Arbeiten bis heute kontinuierlich fortsetzt. Parallel dazu hat er alle überlieferten Fragmente des Aischylos übertragen. Diese Texte erschliessen neue Interpretationen zentraler Mythen und Sagenkreise und fungieren somit als permanenter Stoff- und Sprachfundus.

Zentral ist das Interesse am Übergang vom rituellen, hymnischen Gesang hin zum Theater als politischer Praxis der Polis, exemplarisch im Spannungsfeld dieser beiden Autoren. Die Bewegung von archaischer, dunkler Ritualität zu politischer Organisation wird hier als grundlegende kulturelle Transformation sichtbar. Die Texte sind zugleich performativ angelegt und eignen sich insbesondere als szenische Lesung. In diesem Sinn funktioniert das Projekt als offene Ideengenerierungsmaschine, die immer neu aktiviert werden kann. Dieses Denken bildet einen zentralen Bezugspunkt für Michel Kesslers spätere Theaterarbeit, insbesondere für sein Konzept des Algorithmischen Theaters.