nahkampf

von Sabine Harbeke

«ich hatte ihr erklärt was kommen würde, ich hatte mit vielen gesprochen. die schleuse, die engen gänge, die kameras, die drehtüren, eins nach dem anderen und du hörst nur die eigenen geräusche, den eigenen atem. und warten. vorallem warten. irgendwann leute in uniform hinter glas, fingerabdrücke, papiere. niemand spricht ein wort, handzeichen, kopfzeichen, lichtzeichen. und alles nährt deine unsicherheit, du zögerst, spürst dein herzklopfen, zensierst deine gedanken, antizipierst dein zusammenzucken, den ersten schlag. und plötzlich wirst du ausgespuckt, stehst draussen im staub. und es ist heiss.»

So der Beginn der ersten Szene. Ein Mann und eine Frau. Sie kennen sich, haben sich aber wohl eine Weile nicht gesehen. Dann sprechen sie über seine Mutter. Er wollte mit ihr über die Grenze? Sie musste zurückbleiben? Erinnerungen, Erklärungsversuche … und viele Fragen, nicht nur an die Vergangenheit.

Zweite Szene: Schwester und Bruder. Sie sprechen über ihre Mutter. Worte, Sätze, Aussagen des Paares vorher wiederholen sich, die Situation ähnelt sich. Auch hier der Versuch, sich gegenseitig und selbst zu erinnern, Erklärungen werden gesucht … und wieder viele Fragen. «Im Gehen lässt es sich leichter lügen.» – ein Fazit?

Dritte Szene: uniformierte Männer und Frauen, sie rennen, sie durchsuchen, sie kontrollieren; einer singt ein lied.

Darsteller und Zuschauer begegnen sich auf der Suche nach Wahrheit, indem sie sich auf ein Spiel mit Fiktionen einlassen. Gemeinsam entdecken sie die Brutalität und die Schönheit, die in jedem Satz, in jeder Entscheidung liegt, da so vieles ausgeschlossen wird, um die eine Geschichte zu ermöglichen, die wir glauben – bis es wieder eine andere ist.

Historie des Stücks

  • Theater Luzern UA Regie: Sabine Harbeke 2014