Empedokles

von Michel Kessler

Empedokles 2024

Empedokles ist ein Theatertext über Ökozid. Er entstand ab 2019 am Fuss des Ätna, im Anschluss an den Filmdreh in Cefalù (Abbey of Thelema). Das Stück überführt den antiken Empedokles-Stoff in die ökologische und politische Realität des heutigen Siziliens. Ausgangspunkt ist die historische Figur Empedokles von Akragas – Philosoph, Arzt und politischer Akteur –, dessen Denken um die vier Elemente sowie um eine radikale, purifikatorische Ethik kreist.

Das Stück knüpft an die fragmentarischen Empedokles-Bearbeitungen von Hölderlin und Nietzsche an und versteht sich als bewusste Weiterführung dieses grossen unvollendeten Stoffes. Schauplatz ist das gegenwärtige Südost-Sizilien: der petrochemische Komplex von Augusta–Priolo–Melilli, der Hafen von Augusta sowie das Industriegebiet von Gela, ein offiziell ausgewiesener Sito di Interesse Nazionale.

Empedokles legt die langfristigen Folgen industrieller Umweltzerstörung offen, darunter die Belastung von Meer und Böden durch Chloralkali-Produktion mit Quecksilberzellen, Bioakkumulation und toxische Altlasten. Seine Forderung nach „Reinigung“ meint nicht nur eine technische Sanierung, sondern auch eine ethische Konsequenz. Ihr stehen Industrie, Politik, Medien und ein mafiös vermitteltes System aus Profit, Abhängigkeit und Verdrängung entgegen.

Das Stück entwickelt sich entlang der vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft in 25 Szenen. Empedokles wird zunächst gehört, dann relativiert, isoliert und schliesslich als Bedrohung empfunden. Am Ende wird er von einem anonymen Netzwerk aus ökonomischen, politischen und kriminellen Interessen beseitigt. Die Zerstörung geht weiter.

Das Netz ist schwer. Es riecht nach totem Sumpf:

Metallischer Gestank im Morgenwind.

Der Schlamm am Grund vergisst kein Jahr.

Und vor dem Militärgebiet, wo sich

Die Wasser sammeln, treiben Fische obenauf.