Zeitalter des Esels

von Tim Krohn

Schauplatz ist die Kanalisation einer Stadt, jedoch «nur zeitweilig ein übliches Leitungssystem, meistens eine eigenartig schöne urwüchsige Welt. Fortwährend verändert sich der Spielort, ist Aschenhalde, Grotte und herbstlicher Wald, Wiese, Massengrab und Flussbett» (Tim Krohn). In diesem wandelbaren Verlies kommt eine eigentümliche Gesellschaft von Männern zusammen, die einander kaum vorher begegnet und dennoch scheinbar miteinander vertraut sind:

Kuszinsky, ein alter Toilettenaufseher, der seine Kindheit in einem Konzentrationslager verbrachte und sich seit jener Zeit als «Experte für jede Art von Scheisse» sieht;

Khollehar, um die 30, ein schweigsamer Abenteurer, der Matrose auf einem Walfänger war und jetzt mit seiner Harpune in der Kloake fischt;

17c, ein junger «Papst auf der Durchreise» und auf der Suche nach seiner Gemeinde;

und schliesslich Zettel, ein unauffälliger biederer Postbote, der unter einem grossen Baum schläft und «Zettels Traum» träumt.

Die vier Männer verbindet die Suche nach einer neuen Existenzform jenseits herkömmlicher Rollenmuster. Zwischen ihnen entwickelt sich ein Spiel, das seine Spannung aus dem Gegensatz von Anteilnahme und Desinteresse, von Zärtlichkeit und Zurückweisung bezieht. Die Kanalisation, der überdimensionale gesellschaftliche Ab-Ort, ist die einzig denkbare Zuflucht für dieses Traumspiel.

Historie des Stücks

  • Limit Theater, Zürich Uraufführung Regie: Dagmar Bürger 1992