Szene vor dem Palast: Zuerst sind es nur ein paar Menschen, die schweigend vor dem Regierungssitz des Präsidenten stehen. Nach und nach werden es mehr und immer mehr, die ihren Blick gegen die Glasfassade des Regierungsgebäudes richten: als wollten sie sie mit der Kraft ihrer Gedanken sprengen. Die Demonstrant:innen haben keine Parolen mitgebracht und keine Schilder. Und vor allem suchen sie kein Gespräch. Es ist still vor dem Palast, ein Machtvakuum verdichtet sich. Als die Situation schlagartig eskaliert, kommt Tränengas zum Einsatz, erklärt der Staat binnen Sekunden seinen Bankrott.
Was dann kommt, klingt wie eine Erfolgsgeschichte: Eine schweigende Mehrheit fordert friedlich den Lauf der Dinge heraus – und ist damit erfolgreich. Der alte Präsident wird gestürzt und mit ihm seine festgefahrene Regierung aus dem Amt gefegt. Als Anführerin der Bewegung gelangt Diana – jung, dynamisch, weiblich – an die Spitze des Staates und verkündet euphorisch die Ziele der Bewegung: sozialer Fortschritt! Demokratischer Fortschritt! Ökologischer Fortschritt! Mit der Überzeugungskraft dieser Schlagworte soll sich eine neue, eine umfassende und verbindliche Gemeinschaft gründen. Der schweigenden Mehrheit soll endlich eine Stimme gegeben werden! Im Freudentaumel des Sieges scheint niemanden zu interessieren, dass die neue Präsidentin, die eine strahlende Repräsentantin sein will, gar nicht gewählt wurde. Ein mit allen Mitteln geführter Machtkampf entbrennt, in dessen Verlauf »die Mehrheit« sich als anonymer Machtfaktor erweist.