«Vier Plattenbauten / drei Verlierlinge / zwei Kinder / ein Vater»,
so könnte das Inventar aussehen dieses außergewöhnlichen Theatertextes.
Es ist ein Rückblick auf eine Kindheit in einem ostdeutschen
Neubaugebiet, der um Verlusterfahrungen kreist: den Verlust der Mutter,
eines Landes, einer sozialen Rolle. Hölls Sprache ist lyrisch,
rhythmisiert, und in seinem Sprachfluss ist eine Erzählung eingebettet,
die durch die Perspektive des kindlichen Erzählers gekennzeichnet ist.
Der Junge versucht, Begriffe erfindend, die Phänomene seiner Umgebung
sprachlich zu fassen: Das Funkgerät des Vaters, die Plattenbauten und
die Hausfassade gegenüber, an die der Vater Filme projiziert und die
Erinnerung an die Mutter lebendig hält. Bis der älteste Sohn eine
Entscheidung trifft. «Das Kind spricht, es erzählt und zählt die
Plattenbauten, die großen Steine am Spielplatz, die Stockwerke und
Klingelknöpfe, und ehe man sich’s versieht, ist man gefangen in einer
Arithmetik des Verlustes, macht einen die Zahl traurig, verweist eine
Drei immer auf die Vier, die leider nicht ist, und leidet die Zwei an
der Drei, am Fehlen der Eins. Das Kind zählt, und kein Abzählreim ist
zur Hand, der die Abwesenheit ungeschehen machen und das Verlorene
zurückholen könnte, weil auch der Kinderreim an der Grenze des 'und raus
bist du endet'. Selten hat mich ein Text so traurig berührt und in
seiner klugen Zartheit so froh gemacht.»
(Ewald Palmetshofer über Und dann, Auszug aus einem Originalbeitrag für die Theatertreffen Stückemarkt Broschüre 2012)