Nobokovs Tintenklecks

von Michail Schischkin

«Der Text, eine Abwägung über Geld und Gewissen, ist kein Bühnentext, sondern eine Ich-Erzählung. Regisseur Bastian Kraft, bekannt für szenische Romanbearbeitungen, griff zum Kniff, stellte die Schauspieler Fritze Fenne und Lukas Holzhausen als Dolmetscher vor, die am Tisch auf leerer Bühne den Originaltext ab Hörgerät live übersetzen. Dass sie dabei gelegentlich in die Ich-Rolle oder in die Kovalevs fallen, stört die Illusion ebensowenig wie der Hauch von russischem Akzent, der den Sprechern zusätzlich hilft, die Schilderungen nicht zu glatt über die Lippen zu lassen. Der Übersetzungsvorgang, auch wenn er bloss behauptet wird, versenkt die Schauspieler in Schischkins Erörterung. Und das genügt. Gebanntes Lauschen im Schiffbau. Ein paar Fotos vom Genfer See, von Nabokov und den Kovalevs, an die Wand gebeamt, fügen sich mühelos in den innerlichen Bilderfluss.» 

Nachtkritik.de

Historie des Stücks

  • Schauspielhaus Zürich Im Rahmen von Arm und Reich. Schlaglichter auf die Ungleichheit. Regie: Bastian Kraft 2013