Anna Papst hat über drei Jahre hinweg mit rund dreissig Gefangenen, ihren Angehörigen sowie mit Mitarbeiter:innen des Strafvollzugs lange Gespräche geführt. Einige ihrer Gesprächspartner:innen hat sie mehrmals getroffen, in Gefangenschaft und nach ihrer Entlassung in Freiheit. Die aufgezeichneten Interviews hat sie zu Texten verdichtet, die die sprachlichen Charakteristika ihrer Protagonist:innen beibehalten und doch eine eigene literarische Qualität aufweisen. Sie erzählt von Herrn Berger, der am ersten Tag in Freiheit Meeresfrüchte essen gehen will, Herrn Weber, der seine Tochter nach einem Jahr im Gefängnis zum ersten Mal wiedersieht, Herrn Künzler, der sich schon auf das Gedränge am Bahnhof freut. Der Abend packt sein Publikum bei der eigenen Zwiespältigkeit: Wer von uns heisst den ehemaligen Drogendealer in seiner Nachbarschaft willkommen? Wer akzeptiert den Ex-Bankräuber als Mitarbeiter?