AUTOSTRADA SUPERTRANS UNO

von Kay Matter

SuperTrans, Mega Trans, It’s trans-possible steht auf den Lastwagen, die sich die A6 Richtung Italien mit dem fragilen Oldtimer teilen. Darin sitzen Aldo und Matteo, seit kurzem erst Vater und Sohn, wortkarg und ziemlich ratlos. Ihre Gedanken türmen Monologe auf und ihre Gefühle drehen Loopings. Nur Ernesto, der blinde Chihuahua auf der Rückbank, ist wirklich entspannt und leckt heimlich am Testosteron-Gel. Bis vor kurzem war Matteo noch Isabella, der Sohn also eine Tochter und die Rollen gut eingespielt, aber jetzt durchlebt Matteo in seiner Transition eine zweite Pubertät und Aldo, Anfang siebzig, spürt seine eigene Vitalität schwinden. Beide struggeln mit ihren Körpern und einer als fragil empfundenen Männlichkeit und müssen, unverhohlen provoziert an Raststätten und Hotelrezeptionen, als Duo agieren. Eine gute Vorübung für ihre Ankunft im norditalienischen Heimatdorf, wo Le Nonne, die Quasigroßmütter, auf ihrer Bank schon sehnsüchtig auf Ereignisse warten.
Was als Roadtrip und überschaubarer Streckenabschnitt beginnt, mutiert in der Dorfgemeinschaft zu etwas ganz anderem: Der sezierende Blick des Großmütter-Chores lässt Matteo zu einem Monster werden, das sich unaufhaltsam verwandelt. Wenn Matteo auf Testo nachts loszieht, um Grindr-Dates und hoffentlich auch den Sohn des Dorfmetzgers zu treffen, ist er mit seinem eigenen neuen Begehren konfrontiert, aber auch mit dem tagsüber gut versteckten der anderen Bewohner:innen. Das Stück selbst verwandelt sich mit und changiert zwischen gut gelaunter Drag-Operette und uncanny Dämonisierungsmomenten.

Kay Matter hat im Auftrag des Schauspielhauses Zürich ein berührendes, radikal offenes und darin zauberhaft komisches Stück geschrieben über ungewohnte Perspektiven auf Männlichkeit, Queerness und über die Wandelbarkeit von Beziehungen. Dabei bringt er eine analoge Welt und Sprache mit einer digitalen in Kontakt, alte Körper mit jungen, vitale mit zerbrechlichen. Getrennte Welten verflüssigen sich zueinander hin, das ist mutmachend, aufregend und sehr unterhaltsam.

Historie des Stücks

  • Schauspiel Zürich Uraufführung unter dem Titel STÜTZLIWÖSCH SUPERTRANS UNO DUE TRE Regie: Dennis Nolden (UNO)
    *OTHER ISSUES (DUE)
    Sarah* Claire Wray (TRE)
    2025