von den beinen zu kurz

von Katja Brunner

Da ist eine Familie: ein Vater, eine Mutter, ein Kind. Namenlos. Bürgerlich. Austauschbar. Alles könnte gut sein und werden, doch etwas läuft schief, heillos schief, denn der Vater verfällt der Tochter vom Tage ihrer Geburt an. Für die Tochter ist die “grenzenlose” Liebe des Vaters vom ersten Atemzug an Teil ihrer Wirklichkeit, sein massloses Begehren Normalität. Die ausrangierte Mutter stempelt die Tochter alsbald zur Konkurrentin, Diebin ihres Mannes. Stimmen von aussen vergegenwärtigen mögliche Stationen – Geburt, erster Übergriff, Streichelzoo, Kindergeburtstag, Arztbesuch, Selbstmord – dieser Tragödie. Entgegen dem therapeutischen Gerede, das später auf sie einprasselt, verteidigt die Tochter ihr verhängnisvolles Verhältnis zum Vater. In diesem beeindruckenden Debüt Katja Brunners wird die Sprache zu einem Seziermesser, das die VaterMutterKindWelt zerschneidet und die schwindelerregenden Abgründe menschlicher Leidenschaft aufdeckt.

→ Leseprobe

Übersetzt auf Englisch (von Alex Mangold / Regina Hellmich), Französisch (von Henri Christophe), Lettisch (von Inga Rozentāle-Peilloux), Polnisch von Iwona Nowacka, auf Russisch (von Elisaveta Birger)

Historie des Stücks

  • Theater Winkelwiese Uraufführung Regie: Antje Thoms 2012
  • Staatstheater Hannover Regie: Heike M. Götze 2013
  • Theater Drachengasse Regie: Margit Mezgolich 2014