Sicht auf Nichts oder die Legende vom Rest

von Jens Nielsen

Nichts funktioniert mehr. Kein Strom. Kein Wasser. Keine Zivilisation. Es gibt kaum noch Menschen. Nur vier Männer hocken aufeinander, in einer öden Wüste die einmal eine schöne Gegend war, bekannt für Steuerprivilegien und Sonntagsausflüge. Ohne Habe, ohne Perspektiven, auf sich selbst zurückgeworfen und verwahrlost. Sie sind am Ende ihrer Kräfte und ohne jede Hoffnung. Aus den letzten Resten unserer untergegangenen Welt, aus Zivilisationsmüll, ruinierten Gegenständen, Bücherfetzen und Erinnerungen, die sich im knochentrockenen Boden finden, konstruieren sie sich einen notdürftigen Lebensraum mit eigenen Gesetzen. Und eigenen Geschichten. Denn wie das Leben früher war, weiss niemand mehr genau. Die Männer greifen nach allem, was ihnen in die Hände fällt. Nach allem was ihre bröckelnde Identität ein wenig stützen könnte. Ihre verzweifelte Suche nach Halt evoziert ein Verhalten, das Anlass gibt zu den abgründigsten Spekulationen über ihr Dasein, in dem sich Zukunft und Vergangenheit vermischen zu einem Zustand, der genauso undurchsichtig ist, wie die ab und an in der Ferne gesichteten Staubwolken. Und schon bald mündet der wahllos ausbrechende Enthusiasmus eines möglichen Neuanfangs in einen Fatalismus, der keine zivilen Umgangsformen mehr kennt. Das Menschsein schwindet.

Historie des Stücks

  • Theater Winkelwiese Regie: Antje Thoms 2013