Amerika

von Gerhard Meister

«Freund, hör auf zu klagen – wir segeln nach Amerika
bald hast du was im Magen – Amerika ist nah»

Stellen Sie sich vor, im Land herrscht Hunger und nur wer auf einem unsicheren Schiff seine Heimat verlässt, hat eine Chance, dem Elend zu entkommen. Was für uns ein abstraktes Gedankenexperiment ist, war für die Grosseltern unserer Grosseltern brutale Realität. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts herrschte vielerorts in Europa bittere Armut. Der Kapitalismus hatte seine Herrschaft angetreten, für viele bedeutete das aber nur Armut und Not. Zehntausende verließen jährlich ihre Heimat auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Amerika war das weitaus häufigste Ziel.

Gerhard Meisters Stück erzählt die Geschichte von Annemarie und Michel, von Erika, Hans und Christen, die ihre Heimat Richtung Amerika verlassen müssen, und setzt gleichzeitig die Kontinente und Zeiten auf ein Karussell. Aus Amerika wird Europa, aus Europa Afrika und nicht selten trifft Europa auf Europa. Das 19. und 21. Jahrhundert verschmelzen zu einem Bogen farbiger und zuweilen drastischer Bilder. So kann es passieren, dass die Bewohner von New York an ihrem Badestrand auf Coney Island mit einem Vanilleeis in der Hand auf angeschwemmte, halbtote Auswanderer treffen, die auf ihrer Flucht aus Europa Schiffbruch erlitten haben. Und wenn es auch zwischendurch scheint, als sei dem Autor jetzt aber endgültig die Fantasie durchgegangen, so beruht das Stück Amerika doch auf Begebenheiten, die sich alle ereignet haben und noch immer ereignen.

Historie des Stücks

  • Theater Solothurn Uraufführung in einer Koproduktion des Theater Marie mit Theater Biel Solothurn, Theater Tuchlaube Aarau, Schlachthaus Theater Bern und Kleintheater Luzern Regie Nils Torpus 2008