Der Räuber (Wiederaufnahme)

Robert Walser

schlicht bezaubernd

Nach den erfolgreichen Aufführungen in der Spielzeit 2016/17 nehmen wir die Inszenierung von Niklaus Helbling wieder auf und zeigen fünf weitere Vorstellungen. Ergänzend dazu führen wir am 28. November einen Robert Walser Spezialabend durch und tauchen tiefer in den Stoff und das Schaffen dieses heute viel beachteten Schweizer Autors ein.

Wie alle Texte von Robert Walser ist auch der Räuber-Roman ein Tanz mit den Möglichkeiten. Im Vergleich zu anderen aber ist er der radikalste von Walsers Tänzen. Das Niedliche, Idyllische tritt zurück, und es beginnt eine intensive Selbstbefragung einer Schweizer Identität. Sich als Sonderfall vorkommen und gleichzeitig fast schmerzhafte Bescheidenheit vorgeben, das ist die Krankheit des Räubers, das ist seine Schweizer Krankheit – hochfahrend und wehleidig zugleich! 

Krähenbühl&Co. wurde von Sebastian Krähenbühl 2003 gegründet und beschäftigt sich auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Arbeits-Kooperationen mit Identitäten, Selbsterzählungen und Lügen. Mit «Die Bedürfnisse der Pflanzen», «SMITT» und «Wasserfalle» waren bereits drei Arbeiten von Krähenbühl&Co. am Theater Winkelwiese zu sehen. 

Fotos: Judith Schlosser

Thierry Frochaux, P. S. - Die Linke Zürcher Zeitung, 24.03.2017:
Die gesamte Klaviatur menschenmöglicher Regungen im zwischenmenschlichen Gefühlslabyrinth wird hier in schönstmöglich kompakter Verschnörkelung bespielt, als wären neben Text und Schauspiel auch noch zig weitere Instrumente an der Komplettierung dieser Komposition beteiligt. (…) Oder simpler: Schlicht bezaubernd.

Katja Baigger, NZZ, 20.03.2017:
Schenkelklopfer bei Robert Walser? Aber ja! Etwa in jener Szene, in welcher der Räuber einen Arzt aufsucht und ihm anvertraut, dass er sich manchmal als Mädchen fühlt. Der Schauspieler Krähenbühl gibt hier gekonnt den Verklemmten. Und als er aus der Kiste steigt, in der er zuvor gesessen hat, trägt er Strapse und spielt nun Selma – eine gelungene, weil überraschende Einlage. (…) Es ist klug, wie Helbling die Travestie als Mittel einsetzt, um die Walsersche Uneindeutigkeit zu versinnbildlichen.

Karl Wüst, SDA Schweizerischer Feuilletondienst, 17.03.2017:
Robert Walsers überraschender, kunstvoll sprunghafter und geheimnisvoll funkelnder Text bleibt das Ereignis des Abends. 

Regie Niklaus Helbling Mit Sebastian Krähenbühl, Mareike Sedl Textfassung Niklaus Helbling Bühne und Kostüme Sara Giancane Licht und Technik Tashi-Yves Dobler Lopéz und Paul Schuler Produktionsleitung Sebastian Krähenbühl Koproduktion Theater Winkelwiese, Theater Tuchlaube Gastspiele ThiK Baden, Phönix Theater Steckborn Gefördert durch Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Ernst Göhner Stiftung, MIGROS-KULTURPROZENT, Jürg George Bürki-Stiftung, SIS Schweizerische Interpretenstiftung 

Vorstellungen